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Google Knowledge Graph

05.12.2012 | Steven Broschart

Googles Knowledge Graph ist inzwischen auch in Deutschland und weiteren europäischen Ländern angekommen. Und keine Frage: Er führt bei vielen informationsorientierten Suchanfragen deutlich schneller zum Ergebnis, als das bisher der Fall war. Ob nun die Einwohneranzahl von Aachen, spezielle Kunstwerke aus Musik oder Malerei, oder das Geburtsjahr von Philipp Rösler: Google liefert häufig gesuchte Basisdaten direkt mit den regulären Suchergebnissen aus. Das Suchen und Besuchen einer geeigneten Seite entfällt ab sofort. Für den Suchenden also eine praktische Sache.

Google möchte den Abstand zum Konkurrenten Bing weiter ausbauen. Dazu möchte sich das Unternehmen nach eigenen Aussagen zunehmend von einer “Suchmaschine” zu einer “Antwortmaschine” entwickeln. Das mag zum einen verlockend (weil praktisch) klingen, auf der anderen Seite werden immer mehr Aspekte an einen einzelnen Dienstleister übertragen, ohne das die Daten wohl inhaltlich immer ausreichend hinterfragt, bzw. geprüft werden. Hat sich der Knowledge Graph einmal in den Köpfen der Nutzer etabliert, wird den gefilterten und ausgelieferten “Fakten” von der Mehrheit seiner Nutzer wahrscheinlich vorbehaltlos geglaubt werden. Google verfügt spätestens zu diesem Zeitpunkt über ein großes Stück Verantwortung – und über ein nicht zu unterschätzendes Machtpotenzial.

Wirtschaftliche Effekte

Wie sich die Sache auch entwickeln mag, so gibt es aber auch wirtschaftliche Fragen, die sich mit der Einführung des Knowledge Graphs hier und jetzt stellen. Schauen wir uns das mal an folgendem (noch englischsprachigen) Beispiel an.

Keine Überraschung ist, dass die Knowledge-Graph-Information im Fokus der menschlichen Aufmerksamkeit steht. Die folgende Darstellung wurde mittels EyeQuant berechnet:

Als Folge wäre zu erwarten, dass der Wikipedia-Eintrag (Platz 1) deutlich weniger angeklickt wird, als zuvor. Bei Informationen, die weiter ins Detail gehen, wird der Anwender aber dennoch auf diesen Eintrag klicken. Durch den breiten Einsatz ist aber davon auszugehen, dass der Traffic für Wikipedia in einem messbaren Bereich zurückgeht, bzw. zurückgehen wird.

Interessant wäre nun zu messen, in welchem Maße sich die Anzahl der Besucher des Zweitplatzierten, spiegel.de, reduziert. Denn die Landingpage beinhaltet Werbeeinblendungen. Hier geht es also um Geld. Und aus diesem Grund wird nicht nur der Spiegel, sondern  jedes prominent und breit aufgestellte Magazin ganz genau beobachten, was hier gerade geschieht.

Fazit

Aus Sicht der Bequemlichkeit geht Google hier einen interessanten Weg. Oft abgerufene Informationen werden aggregiert dargestellt, und sind mit deutlich weniger Klicks und Zeitaufwand zu ermitteln, als jemals zuvor – wenn sie aus zuverlässigen Quellen stammen und korrekt sind. Auf der anderen Seite entkoppelt es den Nutzer ein weiteres Stück von einer möglichen Zielseite. Google schafft es also abermals, sich geschickt als Vermittler zwischen Nutzer und Online-Angebot zu drängen schalten – und den Nutzer an dem Ort zu halten, an dem die Google-Kasse klingeln kann …


Wer schreibt hier?

Steven Broschart ist seit 9 Jahren als Senior Consultant beim Online-Marketing-Spezialisten cyberpromote in München tätig. Dort verantwortet er als Teamleiter die Bereiche SEO und UX. Neben der Beratung von Key-Accounts tritt er regelmäßig als Autor diverser Fachpublikationen in Erscheinung.



4 Reaktionen auf Google Knowledge Graph

  1. Oneck sagt:

    Waren bei Dir die Änderungen schon sichtbar? Ich konnte noch nichts feststellen…

    • Steven Broschart sagt:

      Zeitweise. Das beschriebene Beispiel stammt aber aus der US-Suche.

  2. Kurze, aber gute Analyse. Google drängt sich leider schon seit Jahren als Vermittler auf. Allerdings muss Google auch aufpassen, dass man sie nicht irgendwann einfach durch eine andere Software ersetzt. Insbesondere im Bereich “Semantic Web” lassen sich die Zusammenhänge ja auch ohne Google nachverfolgen (RDF usw.). Wie dem auch sei, die Entwicklung bleibt spannend!

  3. Romana sagt:

    Solche Funktionen sind es wohl die die Leistungsschutzrecht Befürworter auf die Barrikaden steigen lassen.

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